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Notwendigkeit eines Wirtschaftsprüfers bei Vorliegen eines Konzerns

Jede Kapitalgesellschaft muss nach einer jüngsten Reform des französischen Gesellschaftsrechts unabhängig von ihrer Rechtsform in Frankreich einen Wirtschaftsprüfer ernennen, sobald sie zwei der drei folgenden gesetzlichen Schwellenwerte (4/8/50) erreicht:

  •  Bilanzsumme > 4 Mio €
  •  Umsatz vor Steuern > 8 Mio €
  •  > 50 Mitarbeiter übersteigen.

Ausnahmen von dieser Regelung existieren im Rahmen von Gruppen, etwa wenn eine französische Kapitalgesellschaft von einer deutschen Muttergesellschaft gehalten wird.

Für diese Konstellationen hat eine Durchführungsverordnung nunmehr Klarheit bezüglich der Notwendigkeit eines Wirtschaftsprüfers und der anwendbaren Schwellenwerte in Frankreich gebracht.

In Gruppen muss fortan zwischen den beherrschenden und den beherrschten Gesellschaften unterschieden werden:

-     Wenn eine Gesellschaft eine oder mehrere Gesellschaften im Sinne des Art. L. 233-3 code de commerce beherrscht (also direkt oder indirekt mehr als 50% ihrer Anteile hält) und alle Gesellschaften (also die beherrschte und beherrschten Gesellschaften) zusammengenommen 2 der 3 gesetzlichen Schwellenwerte (s.o.) übersteigen, muss die beherrschende Gesellschaft einen WP ernennen.

o   Ausnahme: Wenn die beherrschende Gesellschaft selbst von einer Gesellschaft beherrscht wird (Obergesellschaft), die ihrerseits einen Wirtschaftsprüfer ernannt hat (dies gilt auch, wenn die Obergesellschaft und dessen WP ihren Sitz im Ausland haben), muss die beherrschende Gesellschaft keinen Wirtschaftsprüfer ernennen (L. 823-2-2 code de commerce). 

 

o   Ausnahme von der Ausnahme: Abweichend zu dieser Ausnahme hat die beherrschende Gesellschaft als Tochtergesellschaft der Obergesellschaft einen Wirtschaftsprüfer zu ernennen, wenn sie alleine 2 der 3 der reduzierten Schwellenwerte erreicht (siehe unten).

-    Eine beherrschte Gesellschaft (sog. Tochtergesellschaft) hat immer dann einen Wirtschaftsprüfer zu ernennen, wenn sie 2 der 3 folgenden reduzierten Schwellenwerte (2/4/25) erreicht:

 

o   Bilanzsumme > 2 Mio. €

o   Umsatz vor Steuern > 4 Mio. €,

o   > 25 Mitarbeiter.

 

PRAXISTIPP:

-     Eine französische Tochtergesellschaft, die Teil eines Konzerns ist, benötigt immer dann keinen WP, wenn sie reduzierten Schwellenwerte (2/4/25) nicht erreicht, auch dann nicht, wenn sie als SAS gegründet wurde.

-     Etwas anderes gilt immer dann, wenn sie selbst direkt oder indirekt eine oder mehrere Tochtergesellschaften hält und diese mit ihr gemeinsam die gesetzlichen Schwellenwerte (4/8/50) erreichen. In diesem Falle ist die Ernennung eines WP zwingend erforderlich.

-     Prüfen Sie anhand dieser Kriterien vor der nächsten Gesellschafterversammlung, ob Sie noch gehalten sind, einen Wirtschaftsprüfer zu ernennen; ggf. können Sie sich beim Ablauf des Amts von ihm trennen.

 

Laura Rejano
Avocate au Barreau de Paris
rejano@avocat.de

 



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